„Ein Loch in Pastor Wöhlers Backe“ – öffentliche Vorstellung des neuen Buches über die Pestalozzi-Stiftung Hamburg

Im Strom der Zeit

Die Pestalozzi-Stiftung Hamburg stellte am 6. Februar in ihrer „Kita am Stadtpark“ die kürzlich im Christians-Verlag Hamburg erschienene Chronik „Im Strom der Zeit – Die Geschichte der Pestalozzi-Stiftung Hamburg 1847 – 2014“ vor.

Der 87-jährige Autor Karlheinz Reher, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden durch seinen Auftritt als ältester Mit-Rater bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“, lebte als Jugendlicher von 1937 bis 1943 im Heim der Stiftung und erzählt im Buch auch von seinen Erlebnissen: Vom Auftritt des Hamburger Gauleiters Karl Kaufmann, vom tragischen Schicksal von Dr. Blitz, einem jüdischen Mitglied des Verwaltungsrates, aber auch von Jugendstreichen wie dem Schießen mit Papierkrampen auf das Bild von Pastor Wöhler, dem ehrwürdigen ehemaligen Vorstand.

Die aus seinen Erfahrungen entstandene positive Grundhaltung zu diesem Heim und die Dankbarkeit gegenüber der Stiftung prägen das Buch, das hoben Landespastor Dirk Ahrens und Staatsrat Jan Pörksen von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration in ihren Grußworten hervor. Der Landespastor bezog die Lehren von Johann Heinrich Pestalozzi in seine Würdigung einer den ältesten sozialen Einrichtungen in Hamburg ein: Die Pädagogik hat immer auf Kopf, Herz und Hand zu zielen, wenn sie erfolgreich sein will. Hier hat der heutige „Ensemble-Träger“ der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und der Kindertagesbetreuung viel bewirkt. (Text geht unter der Bildergallerie weiter…)

Mit den Schilderungen der sozialen Bedingungen zur Zeit der französischen Besetzung, die zur Gründung der Stiftung beitrugen oder den enormen Belastungen in der Zeit der großen Inflation 1923 hat Reher ein Stück Hamburger Sozialgeschichte geschrieben, so Staatsrat Pörksen. Er bezog sich auch auf eine Episode des Buches, in der die SPD-Bürgerschaftsfraktion von 1930 den Zorn des Autors für ihr Handeln gegenüber der Stiftung auf sich gezogen hatte und unterstrich das seit vielen Jahren ausgewogene Verhältnis von staatlichen Leistungen für kirchliche und weltliche Träger.

In der von Gerlinde Gehl vom Diakonischen Werk moderierten Veranstaltung berichteten der Autor und die beiden Vorstandsmitglieder der Pestalozzi-Stiftung Hamburg, Jörg Röskam und Christian Violka, über die Entstehung des Buches. Sie wiesen auch auf die sich stetig öffnende Schere zwischen den zu leistenden Aufgaben und der tatsächlichen staatlichen Finanzierung hin, die die Träger immer mehr dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Leistungen durch private Spenden zu finanzieren.

Dabei wird der 1847 von der Freimaurer Loge „Zur Brudertreue“ gegründeten Pestalozzi-Stiftung Hamburg auch von der Absalom-Stiftung geholfen, die auf Initiative der ältesten Freimaurer-Loge in Deutschland seit 1996 wirkt. Deren Vorsitzender Günther Wedderien lobte die gute Zusammenarbeit, in der die Verwendung der Spenden immer hervorragend dokumentiert sei. Er stellte das Wirken der Absalom-Stiftung aber zurück und dankte ausdrücklich der Leistung der Mitarbeiter der Stiftung und sprach damit allen anderen Vortragenden aus dem Herzen.

Den Schlusspunkt der stimmungsvollen Veranstaltung setzten die Kinder der Kita mit einem Lied über die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Fahrgäste eines Busses.

Das Buch ist zum Preis von 28 € über die Pestalozzi-Stiftung Hamburg zu beziehen: Tel. 639014-0 oder info@pestalozzi-hamburg.de

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