Realisierung des Projekts „Seiltänzer“ ab dem Jahr 2005

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Seiltänzer

Wir möchten uns an dieser Stelle sehr bei der Aktion Mensch bedanken, die uns mit einer großzügigen Zuwendung, die Realisierung des Projekts „Seiltänzer“ ab dem Jahr 2005 ermöglicht. Mit diesem Angebot wollen wir Jugendliche und Jungerwachsene unterstützen, den Tod eines ihnen nahestehenden Menschen zu verarbeiten.

„Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur; doch mit dem Tod der andern muss man leben.“ Mascha Kaléko.

Der Tod eines nahestehenden Menschen greift nachhaltig in das soziale Bezugssystem der Zurückbleibenden ein. Sie verlieren die vertraute Person, den Freund, die Freundin oder einen Menschen, dem sie unter Umständen mit ambivalenten Gefühlen gegenüberstanden. Sie bleiben zurück und es gilt eine Lücke zu schließen, eine Person zu ersetzen, wirtschaftliche Einbußen hinzunehmen, ein familiäres System muss sich neu gestalten. Je größer das Vertrauensverhältnis zu dem verstorbenen Menschen war, desto größer wird der Verlust empfunden, es fehlt ein Teil von einem selbst, der wieder neu wachsen muss.

Anfänglich begleitet noch allgemeines Mitgefühl und Anteilnahme die Zurückgebliebenen. Aber bald heißt es: Das Leben muss weitergehen….“ Das tut es auch. Das „wie“ bleibt dem Einzelnen überlassen. Für betroffene Jugendliche gestaltet sich das „wie“ in einem Balancieren zwischen einsamer Trauer, Angepasstsein, Coolsein, nach außen die alten sein wollen, innen spüren, dass nichts mehr beim Alten ist. Ein Weitermachen wie bisher ist kaum mehr möglich. Es scheint aber so, als sei dies die einzige Strategie.

Es beginnt ein Tanz auf dem Seil. Die Jugendlichen bemühen sich, das Gleichgewicht zu halten, Haltung zu bewahren, weiter zu gehen und drohen doch abzustürzen. Manchmal genügt ein Ereignis von außen, der Stress in der Schule, die ergebnislose Ausbildungssuche, unerwiderte Liebe. Oft droht der Absturz erst Monate nach dem Tod des nahestehenden Menschen.

Krankheit, Tod und Trauer finden in unserer Gesellschaft wenig Beachtung. In mittelständischen Gesellschaftsschichten ist eine Sicht auf der Metaebene und eine Reflektion viel eher möglich als dies in armen und bildungsschwachen Bevölkerungsschichten der Fall ist. Auch die ethnische Vielfalt in manchen Bevölkerungsschichten verhindert, dass sich diese Jugendliche an einem Trauerritual orientieren können, das in ihrem gesellschaftlichen Leben akzeptiert und integriert ist.

Um den Folgen nicht verarbeiteter Verluste entgegenzuwirken, wird eine moderierte Selbsthilfegruppe mit sechs bis zwölf Jugendlichen angeboten. Die Gruppe wird sich zweiwöchentlich für eineinhalb Stunden treffen. Die Moderation erfolgt durch zwei BeraterInnen mit systemischer Zusatzausbildung. Zusätzlich können die Jugendlichen Einzelgespräche außerhalb der Gruppe und praktische Hilfestellungen zu Alltagsproblemen wahrnehmen.

Das Projekt „Seiltänzer“ soll Jugendliche dabei unterstützen, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und sich mit anderen darüber zu verständigen. Die Gestaltung obliegt den Jugendlichen. Die Ausdrucksmöglichkeiten sollen in ihrer gesamten Vielfalt zum Tragen kommen, auch über kreative Elemente wie Malen, Musik oder über Aktivitäten. Die Jugendlichen sollen in die Lage versetzt werden, Strategien zur Bewältigung ihrer Trauer zu entwickeln und anzuwenden. Aus den Seiltänzern werden Lebenskünstler, die mit den entwickelten Kompetenzen auf weitere Krisen im Leben gezielt einwirken können.

Wenn Sie das Projekt „Seiltänzer“ finanziell unterstützen möchten, vermerken Sie dies bitte als Spendenzweck.

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